Seit Jahren verwenden politische Analysten und Investoren eine bestimmte Abkürzung, um Donald Trumps unberechenbaren Regierungsstil zu beschreiben: TACO – ein Akronym für „Trump Always Chickens Out.“
Die Theorie besagt, dass der Präsident zwar häufig extreme, kriegerische Drohungen ausstößt, ihm aber letztlich die Lust an den tatsächlichen – wirtschaftlichen oder politischen – Schmerzen fehlt, die diese Drohungen verursachen würden. Die jüngsten Ereignisse im Iran deuten jedoch darauf hin, dass diese Theorie möglicherweise gefährlich unvollständig ist. Es entsteht ein genauerer, wenn auch beunruhigenderer Rahmen: die „Soft TACO“ -Theorie.
Die ursprüngliche Theorie: Trump als Reality-TV-Star
Das TACO-Konzept wurde ursprünglich als Gegenmittel zur Vorstellung entwickelt, Trump sei ein aus den Fugen geratener Autoritärer. Stattdessen argumentierten Befürworter der Theorie, wie der Kolumnist der Financial Times, Robert Armstrong, dass Trump ein „begabter Reality-TV-Star“ sei, der eher von Pragmatismus als von Ideologie angetrieben werde.
Aus dieser Sicht ist Trumps extreme Rhetorik eine Verhandlungstaktik. Wenn eine Zollandrohung oder eine militärische Eskalation dazu führt, dass die Märkte zusammenbrechen oder seine politische Basis rebelliert, zieht er sich zurück. Man geht davon aus, dass seine Schmerztoleranz gering ist, was ihn auf lange Sicht berechenbar macht.
Der Fehler in der Logik: Der Preis eines „Rückziehers“
Das Problem mit der TACO-Theorie besteht darin, dass sie den Restschaden, der nach einem Rückzug zurückbleibt, ignoriert. Wenn ein Anführer ein Haus in Brand steckt und dann beschließt, es zu löschen, hat er sich nicht auf eine Art und Weise „verärgert“, die die Zerstörung zunichte macht; Er hat das Feuer einfach gestoppt, nachdem ein Großteil des Gebäudes bereits abgebrannt war.
Der jüngste Konflikt im Iran ist eine deutliche Warnung. Während Trump schließlich einen Waffenstillstand akzeptierte, töteten die Kriegshandlungen im vorangegangenen Monat Hunderte von Zivilisten, destabilisierten den Nahen Osten und verursachten erhebliche Störungen der Weltwirtschaft. Einen Waffenstillstand nach einer solchen Verwüstung als „Abstieg“ zu bezeichnen, ignoriert den hohen Tribut, den die Welt beim Warten auf diesen Rückzug zahlen musste.
Das „Soft TACO“-Framework
Die „Soft TACO“-Theorie schlägt eine differenziertere Realität vor: Trump weicht oft von seinen extremsten Impulsen ab, aber seine Toleranz gegenüber Chaos ist viel höher, als viele glauben. Er zieht sich nicht unbedingt zurück, weil er Angst vor den Konsequenzen hat; Er zieht sich zurück, wenn der Rückschlag zu intensiv wird, um ihn bewältigen zu können.
Dieses Muster ist in mehreren Schlüsselbereichen seiner Verwaltung sichtbar:
- Die DOGE-Säuberung: Nachdem er Elon Musk erlaubt hatte, die Bundesbürokratie aggressiv abzubauen – was zum Verlust von 350.000 Arbeitsplätzen und der Schließung wichtiger Behörden führte – dämmte Trump schließlich das Chaos ein. Er ging von einem „Beil“-Ansatz zu einem „Skalpell“ über, aber der strukturelle Schaden für die Regierung bleibt bestehen.
- Zölle zum „Tag der Befreiung“: Nach einer Woche voller Marktturbulenzen, ausgelöst durch massive neue Zölle, kündigte Trump eine 90-tägige Pause an. Allerdings war der „Rückzug“ nur teilweise: Die effektiven Zollsätze bleiben deutlich höher als vor seiner Amtszeit.
- Durchsetzung der Einwanderungsbestimmungen: Anfang 2025 führten aggressive, militarisierte Durchsetzungsmaßnahmen in Städten wie Minneapolis zum Tod von zwei Amerikanern. Die daraus resultierende öffentliche Empörung zwang Trump, hochrangige DHS-Beamte abzusetzen und zu einer ruhigeren, weniger sichtbaren Durchsetzungsstrategie überzugehen. Er hat die Politik nicht aufgegeben; er hat lediglich die Optik verändert.
Die Gefahr der Vorhersehbarkeit
Der vielleicht gefährlichste Aspekt dieses Musters ist, dass Trump es offenbar verinnerlicht hat. Es wächst das Gefühl, dass er glaubt, er könne eine Krise provozieren, die Welt an den Rand drängen und sie dann „im Zaum halten“, sobald der Druck unerträglich wird.
Dadurch entsteht ein Kreislauf selbstverursachter Krisen. Indem er die Eskalation als ein Werkzeug betrachtet, das jederzeit zurückgezogen werden kann, riskiert er, in Konflikte zu geraten, bei denen es die Schaltfläche „Rückgängig“ nicht gibt. Im Falle Irans geht es um souveräne Akteure, die seine Fähigkeit zur Deeskalation möglicherweise nicht respektieren und deren Vergeltungsschläge wirtschaftlichen Schaden anrichten können, den kein Waffenstillstand wiedergutmachen kann.
Schlussfolgerung
Die „Soft TACO“-Theorie offenbart einen volatilen Regierungszyklus: Trump setzt bei Verhandlungen extreme Drohungen ein, gibt aber erst nach, wenn erheblicher Schaden angerichtet wurde. Dieses Muster deutet darauf hin, dass er vielleicht irgendwann nachgibt, die „Geschäftskosten“ unter seiner Regierung jedoch ein wiederkehrender Kreislauf von Instabilität und Zerstörung sind.


























