Pinterest hat das Arbeitsverhältnis von zwei Ingenieuren gekündigt, nachdem sie ein Tool zur Identifizierung von Kollegen entwickelt hatten, die entlassen wurden und damit gegen die Unternehmensrichtlinien und die Privatsphäre der Mitarbeiter verstießen. Der Vorfall unterstreicht die eskalierenden Spannungen innerhalb von Technologieunternehmen, die sich neu strukturieren, um im Zeitalter der künstlichen Intelligenz (KI) wettbewerbsfähig zu sein.
Entlassungen und das Streben nach Transparenz
Letzte Woche kündigte Pinterest an, rund 15 % seiner Belegschaft – etwa 700 Stellen – abzubauen, um Kapital für die KI-Entwicklung freizusetzen. Angaben darüber, welche Teams oder Einzelpersonen betroffen wären, hielt das Unternehmen bewusst zurück. Als Reaktion darauf erstellten zwei Ingenieure ein Skript zur Überwachung interner Kommunikationsplattformen (Slack) auf Anzeichen für die Deaktivierung von Mitarbeiterkonten. Dies ermöglichte es ihnen, die betroffenen Personen zu identifizieren und eine Liste zu veröffentlichen, die gegen die Vertraulichkeitsregeln verstießen.
„Dies war ein klarer Verstoß gegen die Pinterest-Richtlinien und die Privatsphäre ihrer ehemaligen Kollegen“, sagte ein Pinterest-Sprecher.
Das Tool überwacht die Entfernung von Mitarbeiternamen aus Chats und internen Systemen und verfolgt so effektiv in Echtzeit, wer entlassen wurde. Das Vorgehen der Ingenieure wurde von CEO Bill Ready verurteilt, der sie in einer unternehmensweiten Besprechung als „Obstruktionisten“ bezeichnete.
Breitere Trends bei der Umstrukturierung im Technologiebereich
Die Maßnahmen von Pinterest spiegeln ein umfassenderes Muster in der Technologiebranche wider, wo die Entlassungen angesichts der wachsenden Konkurrenz durch KI-gesteuerte Unternehmen sprunghaft ansteigen. Laut Layoffs.fyi wurden in den letzten vier Jahren etwa 700.000 Technikarbeiter entlassen. Dieser Trend wird durch mehrere Faktoren angetrieben:
- KI-Konkurrenz: Der rasante Aufstieg von KI-Tools und Chatbots von Firmen wie Google und OpenAI zwingt Unternehmen dazu, Kosten zu senken und Abläufe zu rationalisieren.
- Umstrukturierung: Unternehmen investieren aggressiv in KI und senken gleichzeitig die Ausgaben an anderer Stelle, was zu weitreichenden Umstrukturierungen führt.
- Wirtschaftlicher Druck: US-Zölle und rückläufige Werbeverkäufe tragen ebenfalls zu Kostensenkungsmaßnahmen bei.
Amazon hat kürzlich ähnliche Kürzungen vorgenommen und 16.000 Stellen gestrichen, nachdem im Oktober bereits 14.000 gestrichen wurden. Diese Schritte deuten darauf hin, dass Technologieunternehmen der KI-Entwicklung Vorrang vor der Aufrechterhaltung des aktuellen Personalbestands einräumen.
Implikationen und Ausblick
Der Pinterest-Fall verdeutlicht, wie weit Technologieunternehmen bereit sind, bei der Umstrukturierung Informationen zu kontrollieren. Das Vorgehen der Ingenieure war zwar wohl auf den Wunsch nach Transparenz zurückzuführen, wurde aber als schwerwiegender Vertrauensbruch gewertet. Die Entlassungen werden voraussichtlich bis Ende September abgeschlossen sein, wobei Pinterest im Rahmen der umfassenderen Umstrukturierung auch seine Büroflächen reduziert.
Der Vorfall ist eine deutliche Erinnerung an die menschlichen Kosten der KI-Revolution, da Unternehmen darum kämpfen, sich anzupassen und in einer sich schnell entwickelnden Landschaft zu konkurrieren. Die Zukunft der Arbeit im Technologiebereich wird wahrscheinlich aggressivere Kostensenkungsmaßnahmen und eine stärkere Abhängigkeit von der Automatisierung mit sich bringen.

























